Eulenblick zurück – 2018

Die letzten Stunden des Jahres sind angebrochen. Ich nutze sie immer, um ein bisschen zurückzudenken und mich auch ins nächste Jahr vorzutasten. Seit diesem Jahr habe ich einen Blog. Warum ihn also nicht nutzen?

Als Kind habe ich mir ein Jahr immer wie eine Frau vorgestellt. Wie eine Frau unter den schönen antiken Statuen, die Justitia, Victoria und Caritas darstellen. An Mitternacht, so malte ich es mir aus, legt sich die eine für immer schlafen. Die andere steht auf, jung und frisch, und für einen Augenblick schauen sie sich gegenseitig an.

Wie sah die Dame 2018 für mich aus? Sie hat ein gütiges Lächeln. Sie hat es gut mit mir gemeint. Ich bin in meinen Beruf langsam hereingewachsen, habe positive Rückmeldungen bekommen. Ich war mit meinen liebgewonnenen Menschen sehr glücklich. Im Großen und Ganzen bin ich recht zufrieden mit mir – mit meinen Umständen kann ich es sowieso sein. Darf ich das so sagen? Ich habe es sehr, sehr gut.

Aber da sind auch ein paar Furchen auf dem Gesicht der Dame, die sich nun bald schlafen legen wird. Die Furchen machen sie nicht weniger gütig, aber erwachsener und ernster. Ich habe einige schmerzliche, aber wichtige Lektionen gelernt. Ein, zwei harte Entscheidungen mussten getroffen werden. Anderes ist nach wie vor in der Schwebe, ich begreife es nicht und komme zu keinem Ende. Meist sind das Fragen, die ich langsam aber sicher als meine Lebensfragen begreife. Was soll ich tun? Was ist meine Aufgabe? Ich habe meine Leidenschaft für’s Schreiben wiederentdeckt und bin erste Schritte gegangen. Den Eulenglas-Blog gestartet, der noch keine wirkliche Leserschaft hat – aber das ist nicht so wichtig. Er gibt ein paar Schreibanlässe. Meine erste Kurzgeschichte tatsächlich „gedruckt bekommen“, worauf ich sehr stolz war. Es war eine unglaublich gute Erfahrung, mit dem Hybrid-Verlag zusammenzuarbeiten. Zudem hatte ich bei dieser Geschichte zum ersten Mal das Gefühl, etwas gut gemacht zu haben, wesentlich besser als zuvor. Es ist ein tolles Gefühl, dass das belohnt wurde.

Die Anthologie „Vollkommenheit und 20 weitere Kurzgeschichten“ mit meiner Geschichte „Die Schöpfer“, erschienen im Hybrid-Verlag

Aber ich weiß nicht, ob ich wirklich meine Lebenszeit – die wichtigste Währung, die wir haben – auf das Schreiben setzen sollte. Es gibt genug Leute, die schreiben. Es gibt so viel anderes zu tun. Soviel, wofür man sich engagieren kann, was sich sinnvoller anfühlt als das Schreiben. Schreiben (und dann noch mein stümperhaftes!) vor dem Hintergrund der Ökokrise und dem Rechtsruck? Da gibt es doch Sinnvolleres. Nur ist das nicht so schön wie das Schreiben, zumindest für mich nicht. Aber was, wenn man plötzlich Menschen, Beziehungen, Freundschaften deshalb hintanstellen muss? Für was möchte ich einmal gelebt haben?

Das sind die Gedanken, die mich diesen Jahreswechsel beschäftigen. Sie hindern mich im Moment noch daran, mir Vorsätze zu basteln. Ich wüsste gerne genauer: Vorsätze wofür?

Wofür sind eure Vorsätze? Und wozu?

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